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Datum: 07.10.2008 17:10

Die Ovenstädter Gemeinde gehört zu den Urpfarreien des Weserraums. Ihre Wurzeln liegen in der Missionierung unter dem Kaiser Karl dem Großen. Die erste Missionskirche war vermutlich eine Holzkapelle. Der jetzige Kirchbau stammt aus romanischer Zeit (1000 - 1200).
Im Vordergrund befindet sich das Naturdenkmal „Friedenseiche“ aus dem Jahr 1813, die nach der Völkerschlacht bei Leipzig als Mahnung für den Frieden gepflanzt wurde.

An der Nordseite befindet sich der Aufgang zu der Orgel- und Seitenempore. Die Treppe war bis 1959 zur Straße gewendet und diente ausschließlich dem Zugang zu der Prieche. Im Vorgrund ist die alte Sandstein-Kirchenmauer zu sehen

Der mächtige Turm der Kirche gehörte ursprünglich nicht zum Kirchenschiff. In Friedenszeiten wurden im Turm zur Gottesdienstzeit die Pferde der Besucher aus den umliegenden Dörfern des Kirchspiels untergestellt. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen den Grafen von Hoya und den Fürstbischöfen von Minden diente er bis ca. 1770 als Wehrturm der einheimischen Bevölkerung. Die Schießscharte an der Südseite ist noch gut sichtbar.

Im Vordergrund befindet sich die Sakristei mit dem Gernheimer Kirchenfenster.
An der Ostseite der Kirche befindet sich ein ehemaliges Kirchenfenster aus dem Jahr 1772, das 1959 zugemauert wurde.
Das Außenmauerwerk ist aus Obernkirchener Sandstein gefertigt. Aus der romanischen Zeit ist das Eingangsportal noch gut sichtbar. Das ursprüngliche Boden-Niveau der romanischen Kirche lag etwa fünfzig Zentimeter tiefer als heute. Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche stammt aus dem Jahr 1204.

Über dem Turmeingang befinden sich drei Tafeln, die an drei Kirchenrenovierungen erinnern.
Tafel links: Bei der Renovierung 1902 wurde die Kirche von außen mit Zement verputzt. Ebenfalls wurde die erste Ofenheizung eingebaut. Gleichzeitig verschwand der alte romanische Haupteingang durch einen Anbau. Der Fußboden der Kirche wurde um 30 cm erhöht.
Tafel Mitte: Text: «JEHOVAE AEDES RESTAVR ET CONS ANNO 1772 CVRA PIO RVD WEBER» (übersetzt) „Dieser Tempel Gottes wurde restauriert und geweiht im Jahre 1772 durch die Bemühungen des frommen Rudolph Weber“.
Die romanische Kirche wurde zu einer spätbarocken Kirche umgebaut. Das Steingewölbe wurde abgebrochen und ein Holzgewölbe mit Weiden-Lehm-Gefachen eingebaut. Die kleinen romanischen Fenster wurden durch große Fenster ersetzt. Die Emporen mit Ausmalungen eines ostpreußischen Malers sowie die Kanzel und die Orgel über dem Altar wurden neu eingebaut. Die zwölf Apostelbilder stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Das Kirchenschiff wurde nach Osten verlängert und der Turm zur Kirche hin geöffnet.
Tafel rechts: Bei der letzten großen Kirchenrenovierung 1991 konnte der Zustand von 1772 wieder hergestellt werden. Sie ist damit die einzige originalgetreu erhaltene Bauernbarock-Kirche in diesem Gebiet, wenn nicht sogar in ganz Deutschland.

Das romanische Portal wurde bei der letzten Kirchenrenovierung 1991 renoviert und wird wieder als Haupteingang benutzt. Die alten Obernkirchener Sandsteine haben an einigen Stellen größere Ausbuchtungen. Der Grund liegt darin, dass die Gottesdienstbesucher an diesen Stellen die Messer gewetzt haben. Die herabfallenden Sandkörner wurden in einem Taschentuch aufgefangen, um sie als Schutz- und Glückbringer von dem Gotteshaus mit nach Hause zu nehmen.

In der Sakristei befindet sich ein Fenster aus der Glashütte Gernheim, das der Besitzer der Gemeinde im letzten Jahrhundert geschenkt hat. Die vier Rosetten in der Mitte des Fensters sind die typischen Erkennungszeichen für die Glashütte Gernheim
Der Altar wurde 1959 mit dem Einbau einer Elektroheizung und der Umgestaltung der Orgelempore neu eingebaut.
Das Bild zeigt den Altarraum vor einer Trauung.
Drei Auswanderer nach Amerika haben der Gemeinde aus Dankbarkeit ein wertvolles Abendmahlsgerät gestiftet.
Der romanische Taufstein ist acht- bis neunhundert Jahre alt und stammt aus der Vorgängerkirche. Er ist wie die Außenmauern aus Obernkirchener Sandstein gefertigt und besteht aus zwei Teilen. Der Fuß zeigt germanische Fruchtbarkeitssymbole.
Der Taufstein hat eine wechselvolle Geschichte erlebt. Bei der barocken Umgestaltung 1772 wurde der Taufstein für 5 Taler an einen Bauern in der Nähe verkauft. Erst 1937 hat die Gemeinde das verschollene große Taufbecken in einer Scheune wieder entdeckt. Aus dem Taufbecken sollen die Pferde des Bauern gefressen haben. Ebenfalls wurden Messer am Rand des Beckens geschliffen.
Die Emporen und die Ausmalung sind noch im Original erhalten geblieben. Nach der Entfernung von vier Farbschichten 1991 kam die ursprüngliche Ausmalung zum Vorschein. Der Kirchenmaler Knop hat 1772 innerhalb von acht Wochen die Kirche ausgemalt. Er stammt wahrscheinlich aus Ostpreußen, denn in einem Emporenfeld ist ein ostpreußischer Gutshof abgebildet.
Das Gehäuse der Orgel stammt aus dem Jahr 1772. Statt Gold wurde bei der barocken Umgestaltung des Kirchenraumes nur zitronengelb als Goldersatz verwandt. Zitronengelb war damals das Gold der armen Leute.
An der Orgelempore befinden sich seit 1937 die zwölf Apostelbilder, die wahrscheinlich aus dem Jahre 1724 stammen. Die Bilder waren ursprünglich an der Prieche des Strohhofes angebracht. Bei den zwölf Bildern fehlen Judas Ischarioth, Judas Thaddäus und Thomas, die durch Paulus, Matthias und Jesus Salvator (=Erlöser) ersetzt werden. Der Grund liegt wohl darin, dass nur diese Jünger heilig seien, denn vor jedem Namen ist ein großes „S“ für Sanctus (=heilig) eingefügt.
1937 wurden die Apostelbilder wieder entdeckt und von dem Kirchenmaler Bußmann restauriert.
Die Kanzel und Schalldeckel sind noch im Original erhalten geblieben (1772). Auf der Unterseite des Schalldeckels befindet sich die einzige goldene Ausmalung der Kirche.
