
Sonntags ist sie die Einzige, die früh aufsteht, um in die Kirche zu gehen. Nicht ganz freiwillig. Als Konfirmandin muss sie. Zunächst versteht sie kein Wort. Verdrückt sich in eine der hinteren Bänke, allein unter Menschen, die sie nicht kennt, um Lieder und Texte zu hören, die sie nicht versteht. Irgendwann erkennt sie einzelne Wortfetzen wieder, behält eine Melodie, auch wenn sie die nicht mitsingen mag. Und zwischen lauter Älteren sitzen nun Freunde aus dem Unterricht neben ihr und vertreiben die Langeweile, wenn die Predigt zu lange dauert.
„Du sollst später einmal selber entscheiden“, haben die Eltern immer gesagt, wenn sie fragte, warum sie nicht getauft ist. Kati hat sich entschieden. Und am Tag der Konfirmation ist auch der Vater mit seiner neuen Lebensgefährtin da. Obwohl er seit seiner Scheidung nicht viel am Hut hat mit Kirche. Vielleicht ist er mit dem Gefühl nicht klargekommen, dass nicht einmal Gott seine große Liebe retten konnte – trotz kirchlicher Trauung.
Heute feiern alte und neue Familie das erste Mal miteinander. Vorsichtig und behutsam nach vielen Verletzungen. Beim Abendmahl stehen sie im großen Kreis um den Altar. Die Worte des Pfarrers klingen nach: „Geht hin in Frieden.“ Balsam für verletzte Seelen. Kai hat ihre Entscheidung getroffen. Vielleicht trifft auch ihr Vater eine für Gott. Später.
Autor: Barbara Manterfeld-Wormi
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